chronik

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Die erste „Flugrettung“ in Österreich wurde während des Zweiten Weltkrieges mit einem Fieseler Storch durchgeführt - der Schwerverletzte wurde damals nach Innsbruck geflogen.

Die eigentliche Geschichte der Flugrettung beginnt aber in der Zeit der Besatzungsmächte - 1954 schlug die Geburtsstunde der Flieger des Innenministeriums und im Jahre 1956 bestand die Flotte bereits aus vier Flugzeugen und einem Hubschrauber.

In den sechziger und siebziger Jahren wurde die Idee eines flächendeckenden Hubschrauber Rettungsdienstes weiter verfolgt. In der ÖAMTC Clubzeitschrift wurde bereits im Juni 1970  über die Flugrettung in Kalifornien in den USA berichtet und der ADAC (deutscher Autofahrerklub) nahm in München Harlaching mit Christoph 1 seinen ersten Rettungshubschrauber in Betrieb. Wie in Österreich jedoch (leider) typisch, scheiterte ein Rettungs bzw. Notarzthubschraubersystem bei uns bis Anfang der 80er Jahre an den Streiterein um Geld und Kompetenzen...! 1982 gab es dann endlich einen Beschluß des Nationalrates, der besagte, daß die Bundesregierung die Voraussetzungen für den Aufbau eines bundesweiten Primär-Rettungsdienstes mit Hubschraubern schaffen solle.

In dieser Zeit hatte auch der Innsbrucker Universitäts Professor Dr. Gerhard Flora ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die Mißstände im Flugrettungswesen kritisiert. Er kritisierte unter anderem scharf die Tatsache, daß bei den meisten Einsätzen des BMfI kein Arzt angefordert wurde.

Prof. Flora wandte sich darauf hin an den ÖAMTC - Anfang 1983 hielt er bei einer Sitzung des Clubs eine Rede, in der er nicht mit Kritik sparte - seine Worte hinterließen Eindruck - Am 1. Juli 1983 nahm der erste Notarzthubschrauber Österreichs, „Christophorus 1“ in Innsbruck seinen Dienst auf.

Nach dem typisch österreichischen hin und her um die Finanzierung wurde 1984 schließlich beschlossen, daß die Kosten für die ÖAMTC Notarzthubschrauber von den Landesregierungen, von den Pflicht- und Privatversicherungen  sowie von Sponsoren und dem ÖAMTC selbst getragen werden.

1985 wurde zur Abwechslung einmal der humanitäre Aspekt betrachtet und der damalige Innenminister Blecha richtete einen Notarzthubschrauberpool ein um den Auftrag des Nationalrates eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten erfüllen zu können. Der ÖAMTC war ein Teil dieses Pools und betrieb/betreibt seine Notarzthubschrauber (NAH) für die restlichen Standorte würde das Innenministerium sorgen. Anfang 1983 führte der ÖAMTC  seine NAH-Aktivitäten in einen eigenen  Flugrettungsverein über - den „Christophorus Flugrettungsverein“

Für „Christohprus 2“ wurde das Krankenhaus Krems als Standort gewählt - die Betriebsaufnahme erfolgte am 01. September 1983. 1987 wurde am Stützpunkt ein unterirdischer Hangar gebaut, mit einer Hebebühne wie sie auch auf Flugzeugträgern zu finden ist.

Bereits 1 Jahr später wurde „Christophorus 3“ auf dem Flugplatz Wr. Neustadt Ost/Theresienfeld in Betrieb genommen - „Christophorus 3“ (kurz „C 3“) versorgt neben Wien und dem südlichen Niederösterreich auch Teile des Burgenlandes, da die ursprünglich geplante Stationierung in Eisenstadt nicht zustande gekommen war.

„Christophorus 4“ nahm am 10. Dezember 1985 seinen Betrieb auf. der C 4 war abwechselnd in Kitzbühl und St. Johann/Tirol in Betrieb - der Schwerpunkt der Einsätze von C 4 liegt standortbedingt bei Ski- und Alpinunfällen. 1986 übernahm der ÖAMTC die Patenschaft über „Christoph“, den Notarzthubschrauber des Bundesheeres, eine Alloutte III, die in Aigen/Ennstal stationiert ist. Im Dezember 1987 nahm „Christophorus  5“ (zunächst als C 1a) bezeichnet in Landeck seinen Betrieb auf.

Da der Hubschrauber Rettungsdienst natürlich sehr kostenintensiv ist, wurden von Anfang an Parnter und Sponsoren gesucht. Positiv sei hier erwähnt, dass die Länder Tirol, Niederösterreich und Burgenland „ihre“ Christophorus Notarzthubschrauber mit Subventionen unterstützt haben. Im Laufe der Jahre konnte der ÖAMTC die Austria Collegialität Versicherung als Partner für die Christophorus Hubschrauber in Tirol und die EA Generali als Partner für „Christophorus 2“ und „Christophorus 3“ in Niederösterreich gewinnen. Nach und nach wurden auch vom BMI Notarzthubschrauber in den Gegenden stationiert wo eine Versorgung durch den ÖAMTC bzw. das Bundesheer noch nicht gewährleistet war. 1993, 10 Jahre nachdem der erste ÖAMTC NAH in Dienst gestellt worden war, umfasste das Flugrettungsnetz in Österreich schon 13 Notarzthubschrauber.

1993 wurde „Christophorus 6“ in Bischofshofen stationiert, wobei die Stationierung wechselweise mit Zell am See durchgeführt wurde.

1983 wurde der Notarzthubschrauber „Martin 1“ des Bundesministeriums für Inneres (BMI) auf dem Flughafen Salzburg stationiert.

1984 wurde „Martin 5“ auf dem Flughafen Klagenfurt stationiert, 1985 folgte „Martin 4“ auf dem Flughafen Graz-Thalerhof, 1986 nahm „Martin 8“ in Hohenems seinen Betrieb auf, ebenfalls in diesem Jahr wurde „Martin 6“ in Lienz stationiert.

1987 wurde schließlich „Martin 2“ in Linz stationiert.

1991 nahm „Martin 3“ in der Polizeikaserne Wien-Meidling seinen Betrieb auf.

Weiters befand sich noch eine AS 355 B2 Ecureuil auf dem Flughafen Innsbruck, die primär Exekutiv-Einsätze flog, im Notfall jedoch binnen kürzester Zeit ebenfalls zu einem Notarzthubschrauber (NAH) umgerüstet werden konnte/kann - in diesem Fall trug der Helikopter dann die Bezeichnung „Martin 7“

Die NAH’s des ÖAMTC und des BMI sind bzw. waren weitgehend identisch ausgestattet, die Ausrüstung besteht aus:

  • Notfallkoffer, bzw. Notfallrucksack mit Unterteilungen für Herz/Kreislauf Behandlungen, Beatmung und Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre) und Verbandmaterial

  • Medizinisches Notfallkombinationsgerät mit Pulsoxymeter (für Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut), EKG (für die Messung der Herzströme), Blutdruck-, Temperatur-und CO2-Messgerät

  • Defibrillator (Gerät zur Abgabe von Stromstößen bei der Wiederbelebung eines Patienten)

  • Sauerstoffanlage

  • Sekretabsauggerät - Absaugpumpe (zum Absaugen von Erbrochenem, Blut, etc. aus der Mundhöhle des Patienten und zum Absaugen der Vakuummatratze)

  • Perfusor (Motorspritze zur langsamen, kontinuierlichen Verabreichung von Medikamenten)

  • Notfallkoffer für Kleinkinder

  • Geburtenkoffer

  • Kleines OP-Set für Noteingriffe

  • Thorax-Drainageset (kontrolliertes Eröffnen des Brustraumes zur Druckminderung - komplizierte, notärztliche Maßnahme!)

  • Krankentrage (Rolltrage mit sämtlichen Lagerungsmöglichkeiten)

  • Vakuummatratze

  • Schaufeltrage (Bergegerät aus Aluminium)

  • Schienensatz (u.a. für Brüche)

  • HWS-Immobilisierungsmaterial (zur Ruhigstellung der Halswirbelsäule, z.B.: nach Verkehrsunfall)

  • Deckensatz

Seit Sommer diesen Jahres wird die Flugrettung in ganz Österreich vom ÖAMTC betrieben. Seit April dieses Jahres ist in Kärnten ebenfalls ein Notarzthubschrauber des Roten Kreuzes installiert. Bedenklich finde ich allerdings die Tatsache, dass das Rote Kreuz, das ja seinen eigenen Hubschrauber verständlicherweise einigermaßen kostendeckend betreiben will/muss, gleichzeitig der Notrufempfänger ist.  Nach einigen Ungereimtheiten bei der Koordination der Einsätze (so wurde RK1, der Notarzthubschrauber des RK-Kärnten,  beispielsweise bei einer Anflugzeit von ca. 20 Minuten zu einer Reanimation beordert, obwohl ein NAH des ÖAMTC nur eine Anflugzeit von ca. 10 Minuten gehabt hätte - ein entsprechendes Gedächtnisprotokoll einer ÖAMTC Mannschaft liegt mir vor)  hat daher  LH Jörg Haider angeordnet, dass die Koordination für Rettungshubschraubereinsätze in Kärnten ausnahmslos über die LAWZ, die unter der Nummer 130 erreichbar ist, zu erfolgen hat.

Inwieweit sich das Rote Kreuz Kärnten unter seinem Präsidenten, Herrn Dr. Peter Ambrozy jedoch an diese Anweisung hält, entzieht sich der Kenntnis des Autors.

In den ersten 10 Jahren ihres Bestehens, absolvierte die Christophorus Einsatzflotte 25.000 Einsätze, um Menschen in Not zu helfen. Doch die Arbeit der „Gelben Engel“ ist nicht immer ungefährlich. Erst  1999 verunglückte  ein „Christophorus“ Hubschrauber - Pilot und Rettungssanitäter überlebten, der Notarzt starb kurz nach dem Unglück im Krankenhaus. Doch auch zwei ganz besonders tragische Unglücke sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben:

Am Sonntag, 14. Februar 1988 flog „Christophorus 1“ einen Rettungseinsatz zu einer deutschen Touristin, die sich bei einer Bergtour verletzt hatte. Nach der Versorgung durch das Team wurde die Pat. an die Bergrettung übergeben. Auf dem Rückflug stürzte „Christophorus 1“ ab. Die endgültige Ursache ist bis heute ungeklärt. Beim Absturz kamen der Notarzt, Doz. Dr. H.Fill und der Rettungssanitäter Dieter Hahn ums Leben. Rettungssanitäter Johann Salchner sitzt seit dem Absturz im Rollstuhl, Pilot Kulterer erlitt so schwere Kopfverletzungen, dass er nicht mehr fliegen durfte.

Am 19. August 1992 verunglückte „Christophorus 5“. Bei einer Taubergung berührte der Helikopter ein nicht gekennzeichnetes Heuseil und stürzte ab. Die am Seil hängende Notärztin, Dr. Ursula  Schillfahrt kam dabei ums Leben. Pilot und Rettungssanitäter überlebten den Absturz. Diese beiden Beispiele zeigen wie gefährlich der Job der ‘Rettungsflieger’ oft ist. Sie begeben sich selbstlos in Gefahr um anderen zu helfen, die sich oft fahrlässig in große Gefahr begeben!

Doch es gibt auch immer wieder bewegende Momente. Etwa dann, wenn Gerettete sich nachher bei ihren Rettern bedanken, oder wenn Personen erfolgreich wiederbelebt werden können. Ein ganz besonderer Moment in der Geschichte der „Gelben Engel“ war sicherlich der 24. Juni 1988, als Pabst Johannes Paul II einen „Christophorus“ Notarzthubschrauber mit den Worten „...Herr segne diesen Rettungshubschrauber, der bereit steht für Menschen, die in Not geraten. Er helfe, Leben zu retten, Kranke zu versorgen und Wunden zu heilen. Stehe den Ärzten und dem Sanitätspersonal bei ihrem Dienst zur  Seite und stärke in allen Menschen die Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe...“



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